Graubünden

 

Graubünden, das Land der Rhätischen Bahn

Auf dem Bahnhof von Genf ist über dem Hauptausgang das Wandgemälde "Blick vom Schafberg auf die Engadiner Seenlandschaft" zu sehen. Grisons ist der französische Name für Graubünden, rätoromanisch heißt es Grischuna und italienisch Grigioni.

Wenn uns nicht schon früher der (auch in der DDR deutlich zu vernehmende) gute Ruf der Rhätischen Bahn (RhB) aus dem Engadin erreicht hätte, spätestens dieses Gemälde hätte Wirkung gezeigt und uns angelockt. Jedenfalls führte uns unsere erste Auslandsreise ins Nicht-Östliche-Europa (auf DDR-deutsch: NSW) 1992 zur Rhätischen Bahn ins Engadin und wer einmal dort war kommt wieder!

1992 haben wir von Samedan, dem Hauptort des Oberengadin am jungen Inn, die Rhätische Bahn erkundet. Wir waren in der Vorsaison dort, kaum Touristen, manche Züge sind nur wegen uns gefahren und die Jungs konnten so auch mal im Führerstand die Albula runter rasen.

2008 waren wir mitten im Zentrum der Albulastrecke - in Filisur und später noch an der Bernina-Linie im vielleicht schönsten Bahnhof der Schweiz.

Wo wir das nächste mal hinfahren? Mal sehen, es ist überall in Graubünden schön.

Ich hatte diese Seiten über die Rhätische Bahn schon fast einmal fertig, aber die Ereignisse des Sommers 2008 mit der Verleihung des Welterbetitels an Teile dieser schönen Eisenbahn haben mich alles noch einmal überarbeiten lassen. 

 

 

RhB - Die kleine Rote

Graubünden ist mit rund 7100 km² der größte aber auch gleichzeitig der am schwächsten besiedelte Kanton der Schweiz. Die Rhätische Bahn, eine moderne elektrifizierte Schmalspurbahn mit Meterspur ohne Zahnradstrecken trotz extremer Höhenunterschiede erreicht die wichtigsten Talschaften Graubündens. Einige Extremwerte gefällig?

  • RhB - längste Schmalspurbahn Europas (384 km )
  • Albulatunnel - höchstgelegener Alpendurchstich (1820 m ü. NN)
  • Bernina-Linie - einzige offene Schweizer Alpenquerung im Adhäsioinsbetrieb ohne Scheiteltunnel
  • Steigung - bis 70 ‰ ohne Zahnrad
  • Kurvenradius - minimal 45 m
  • Soliser Brücke - höchster Viadukt (89 m hoch)
    Seit Juli 2009 ist die Soliser Brücke nicht mehr die höchste, neu nachgemessen: nur 85 m hoch!
  • Kreisviadukt Brusio - 360 ° Kehre (18 m Höhengewinn)
  • Vereinatunnel - längster Meterspurtunnel der Welt (19,1 km)
  • Wiesener Viadukt - längster Viadukt (210 m)
  • Langwiesener Viadukt - die erste Stahlbetoneisenbahnbrücke (1914)
  • 114 Tunnel und Galerien (gesamt 60 km)
  • 582 Brücken (gesamt 15 km)

Alle Angaben ohne Gewähr, bei unterschiedlichen Zahlen habe ich mich für die offiziellen Graubündner Werte entschieden.

Landwasserviadukt
der Besondere unter den Viadukten

65 m hoch, 130 m lang, 100 m Radius
20 m Spannweite der Bögen

2014 - In Graubünden wird wieder gefeiert. 

Die Rhätische Bahn mit ihrem 384 km langen Streckennetz wird 125 Jahre alt. Die Bündner Erfolgsgeschichte begann 1889 mit der Strecke ins Prättigau von Landquart nach Klosters. 

Über die Jubläumsveranstaltungen unter dem Motto "RhB - 125 Jahre faszinierend unterwegs" informieren Sie sich bitte auf den Seiten der Rhätischen Bahn. 

Die 30 Jahre alte Ge 4/4 II #623 "Bonaduz" wurde ausgewählt, als Werbelok "125 ONNS" durch die Bündner Berge zu fahren.

 

 1889  Begonnen hat alles im Prättigau und in der Landschaft Davos. Der Niederländer Willem Jan Holsboer (1834-1898), den es 1866 nach Davos verschlagen hatte,gilt als Begründer der Rhätischen Bahn (RhB). Er förderte den Bau einer meterspurigen Eisenbahn von Landquart über Klosters (9. Oktober 1889) nach Davos (21. Juli 1890). 1895 wurde die Landquart-Davos-Bahn in Rhätische Bahn (RhB) umbenannt. Das war ein deutliches Zeichen, denn es sollte eine Eisenbahn für den ganzen Kanton werden. 

Diese Vision wurde auch Wirklichkeit, heute ist die RhB de facto die Bündner Staatsbahn. Am 20. Juni 1897 hatte das Bündner Volk auf Initiative von Holsboer das erste kantonale Eisenbahngesetz beschlossen. Fast vollständig sind die Aktien der RhB im Besitz der Eidgenossen (43 %) und des Kantons Graubünden (51 %).

Das Streckennetz wuchs auf fast 400 km. Stillgelegt wurde nur die vom Stammnetz isolierte Misoxer Linie Bellinzona-Mesocco (eröffnet 1907 - RhB-Übernahme 1942 - stillgelegt 1972/1978/2003). Heute wird ein Netz von 384 km betrieben.

Andere Eisenbahnen gibt es in Graubünden kaum, nur wenige Kilometer befahren die SBB auf ihrer Rhein-Strecke bis Chur und die Matterhorn Gotthard Bahn zwischen der Kantonsgrenze am Oberalppaß und Disentis/Muster. 

Andererseits verläßt die RhB sogar die Schweiz und fährt auf 2,5 km Länge bis ins italienische Tirano. Noch bis 1949 hatte auf diesem Streckenabschnitt die Tramvia Tirano-Campocologno das Sagen.

Anfangs war die kleine Rote natürlich in schwarz und grün unterwegs, noch 1992 unterbrachen hin und wieder grüne Wagen das rhätische Rot des langen Zuges.

Für die Landquart-Davos-Bahn wurden 1889 fünf Dampflokomotiven G 3/4 beschafft, Tenderlokomotiven mit der Achsfolge 1’C vom Typ Mogul, später folgten im Zeitraum von 1896 bis 1908 noch weitere elf. 

Von diesen fünf existiert Nr. 1 Rhätia noch heute, sie wurde nach einem Aufenthalt in Blonay-Chamby 1989 anläßlich der 100-Jahrfeier der RhB wieder in Betrieb gesetzt.

Nr. 11 Heidi, Baujahr 1903, wurde nach einem längeren Aufenthalt bei der BOB durch den Club 1889 restauriert.

Ab 1904 beschaffte die Rhätische Bahn insgesamt 29 Dampflokomotiven des Typs G 4/5, Achsfolge 1'D h2. Die 800 PS starken Schmalspurlokomotiven wurden ab der siebenten Lok als Heißdampflokomotiven ausgeliefert.

G 4/5 Rh.B. 108 Engiadina  und Rh.B. 107 Albula aus dem Baujahr 1906 sind heute noch betriebsbereit. Um ihre Erhaltung bemühen sich auch die "Dampffreunde der Rhätischen Bahn"

 

 

Eine 11 - Etappen - Fahrt

Landquart - Klosters   9. Oktober 1889
Klosters - Davos Platz   21. Juli 1890

Die erste Eisenbahnlinie führt vom Rhein durch die enge Klus immer entlang des Flüßchens Landquart ins Prättigau und über den 1631 m hohen Wolfgangpaß in den bekannten Winter- und Sommersportort Davos. Eines der markantesten und irgendwie nicht nach Graubünden aussehende Gebäude an der Strecke ist das Bahnhofsgebäude Davos Wolfgang in der Nähe des Davoser See.

Die Lokomotiven vom Typ Ge 4/4 III sind inzwischen bekannt für ihr teilweise spektakuläres Design. Mit Nr. 652 "Vaz/Obervaz Lenzerheide-Valbella" wirbt die Rhätische Bahn gemeinsam mit der Graubündner Kantonalbank mit Volldampf für den Hockey Club Davos: EIN CLUB - EINE BAHN - EINE BANK. 


Für die Heimspiele des HCD in der Saison 2008/09 kommen Hockeyfans, welche mit der Rhätischen Bahn nach Davos reisen, wieder in den Genuß verschiedener Vorteile.

 Ich bin zwar kein Eishockeyfan, habe auch kein Geld ins Ausland transferiert. Aber wenn Eloks mit "Volldampf" fahren, dann ist das ein guter Gag.

Chur - Thusis   1. Juli 1896 
Landquart - Chur   29. August 1896


Be 4/4 eingesetzt auf der S9 im Bahnhof Reichenau-Tamins. (2008) 

Die erste Streckenerweiterung führt die Rhätische Bahn am Rhein entlang in das Domleschg, das bündnerische Burgenland. Immer wieder tauchen hinter dem Fluß Schlösser, Burgen und Ruinen auf.

Diese Strecke wird heute von zwei S-Bahnen befahren. Die S8 verbindet Schiers mit Rhäzüns und die S9 verkehrt zwischen Chur und Thusis. Die eingesetzten Triebwagen Be 4/4 wurden erstmals 1971 gebaut und bilden mit Zwischen- und Steuerwagen drei- bzw. vierteilige Einheiten.

Als 1994 die neue doppelspurige Hinterrheinbrücke in Thusis gebaut wurde entstand auch der Bahnhof Thusis neu. Er ist heute eine moderne leistungsfähige Schnittstelle zwischen S-Bahn, Regionalexpreßzügen und dem Postbus.

S-Bahn unterwegs Richtung Bonaduz kurz nach der Überquerung der Bundesstraße 13, 
hinter dem Damm verläuft die Vorderrheinstrecke (2005)

Be 4/4 515 + B 2420 + ABDt 1714 + ABDt 1715
Vier-Wagenzug (mit zusätzlichem Steuerwagen) am Bahnsteig in Thusis (2008)

Reichenau-Tamins - Ilanz   1. Juni 1903

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Wer nicht mit dem Zug durch die Vorderrheinschlucht fährt verpaßt eines der aufregendsten Landschaftserlebnisse. Man kann zwar auch von oben in die Ruinaulta hineinschauen (z. B. von der Verbindungsstraße Bonaduz-Versam), aber der Blick aus dem Zugfenster ist viel eindrucksvoller. 

Zusammenfluß von Vorder- und Hinterrhein bei Tamins

Die Rhätische Bahn teilt sich diesen einmalig schönen Streckenabschnitt durch die Vorderrheinschlucht (Ruinaulta) nur mit dem Fluß, den Wassersportlern und einigen Wanderern.
Kein Zug zu sehen? Einfach den Cursor über das Bild bewegen...

Bevor die vierte Etappe kommt muß man der Rhätischen Bahn im Jahr 2008 herzlich gratulieren. 

Seit 7. Juli 2008 ist die "Rhätische Bahn in der Kulturlandschaft Albula/Bernina" als weltweit dritte Eisenbahnstrecke in die UNESCO-Welterbe-Liste (Reference 1276) aufgenommen!

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World Heritage

Rhaetian Railway in the Albula/Bernina Landscapes

Thusis - Celerina   1. Juli 1903
Celerina - St.Moritz   10. Juli 1904
UNESCO Welterbe Albula + Bernina

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Der Zug nähert sich auf seiner Fahrt Richtung Thusis der Soliser Brücke. Unspektakulär sieht sie aus, zumindest aus dem Zugfenster. Aber die 164 m lange Brücke ist mit 89 m die höchste (*) im Netz der rhätischen Bahn und ist einer der Höhepunkte auf der Fahrt entlang der wilden Schynschlucht.

(*) Seit Juli 2009 ist die Soliser Brücke nicht mehr die höchste - mehr dazu auf der übernächsten Etappe!

Das Schönste von St. Moritz ist die Zufahrt und die herrliche Seenlandschaft, keinesfalls die Hoteltrutzburgen am Hang oberhalb des Bahnhofs. Der junge Inn stürzt eine Geländestufe hinunter und wird unmittelbar danach von der Berninabahn überquert. Hoch über dem Inn am anderen Ufer kommen die Gleise der Strecke aus Richtung Samedan/Celerina aus dem letzten Tunnel, dem Argentieri (114 m).

Aus der geplanten Verlängerung von St. Moritz Richtung Chiavenna (Bergellerbahnprojekt) wurde leider nichts, sonst könnten wir heute entlang der Seenkette und über den Malojapaß weiterfahren.

Samedan - Pontresina   1. Juli 1908
UNESCO Welterbe Albula + Bernina

Die höchste Erhebung im Kanton Graubünden ist der Piz Bernina mit 4049 m. Mit der kurzen Zweigstrecke ab Samedan erreichte die Rhätische Bahn den Ferienort Pontresina im Berninagebiet, noch bevor die Berninabahn ihre Strecke von St. Moritz nach Pontresina in Betrieb nehmen konnte. Erst mit der Fertigstellung der gerade erwähnten Strecke entstand das große Engadiner Gleisdreieck, in dessen Zentrum sich die spätgotische Kirche San Gian bei Celerina/Schlarigna befindet. Markant ist ihr Kirchturm, 1682 durch Blitzschlag beschädigt. 

Davos Platz - Filisur   1. Juli 1909
88 m hoch (*) über das Landwasser erhebt sich der imposante Wiesener Viadukt. Leicht ansteigend und mit einer leichten Rechtskurve an den westlichen Steilhang anschließend präsentiert sich der längste Viadukt im Netz der Rhätischen Bahn. 

Währende der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Strecke Davos Platz - Filisur wurde am 6. Juli 2009 am Wiesener Viadukt eine Tafel "höchster Viadukt der Rhätischen Bahn" angebracht.  Elektronische Nachmessungen haben ergeben, daß der Soliser Viadukt "nur" 85 m hoch ist und der Wiesener Viadukt von der Wasserlinie bis zur Schienenoberkante eine Höhe von 88,9 m aufweist. Genau sind die Schweizer! Pech für den Soliser Viadukt, er ist sein Prädikat los. Der Wiesener Viadukt als längster Viadukt der RhB ist also auch der höchste!

Wenn die Züge von Davos den einsamen Bahnhof Wiesen erreichen, haben sie die fast bodenlose Zügenschlucht bereits passiert. Nur an wenigen Stellen verläßt der Zug den die Schlucht begleitenden Tunnel und es bieten sich dem Fahrgast sekundenlange Einblicke. Man erkennt die steilen Lawinenzüge hinunter zum Landwasser, dann hat der nächste Tunnel den Zug geschluckt.

Der Regionalzug von Davos verläßt den letzten Tunnel (Wiesen II, 96 m) und fährt am Rande der Schlucht Richtung Bahnhof.

Lehrgerüst des Wiesener Viaduktes für den 55 m breiten Hauptbogen. Dieses Lehrgerüst ist eines der bedeutenden Werke des Triner Zimmermanns Richard Coray. Von ihm stammt auch das Lehrgerüst des 100 m Bogen des Langwiesner Viaduktes.

Regionalzug mit Ge 4/4 I im Bahnhof von Wiesen

Unmittelbar nach dem Bahnhof befährt der Zug den Wiesener Viadukt.

Pontresina - Morteratsch
Poschiavo - Tirano
  1. Juli 1908
Celerina/Staz - Pontresina
Morteratsch - Bernina Suot
  18. August 1908
St.Moritz - Celerina/Staz
Bernina Suot - Ospizio Bernina
  1. Juli 1909
Ospizio Bernina - Poschiavo    5. Juli 1910
Übernahme durch RhB    1. Januar 1943
UNESCO Welterbe Albula + Bernina

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1906 war Baubeginn an der Bernina, eine einfache und kostengünstige elektrische Überlandbahn (750 V Gleichstrom) sollte entstehen. Zwar entfernt sich die Bahn letztlich von der Berninapaßstraße und sucht ihren eigenen Weg über den Paß und dann steil absteigend ins Puschlav. Aber gerade hinter Poschiavo kann die Berninabahn ihren Straßenbahncharakter nicht leugnen.

Ständig wurde gebaut und die Bedingungen an der Strecke verbessert, ab 1913/1914 konnte auch ein Winterbetrieb durchgeführt werden. Man spricht von bis zu 6 m hohen Schneewänden (nur früher? heute noch?).

Auch 2008 wird viel gebaut - hierzulande würde der Bahnverkehr für Monate/Jahre eingestellt. Anders bei der Rhätischen Bahn. Hier gilt Fahren und Bauen auch bei sehr stark befahrenen Strecken. Wer mit dem Cursor über das Bild rechts fährt sieht den Baufortschritt innerhalb von vier Tagen an dem von Hunderten Touristen genutzten Bernina-Bahnsteig in Pontresina!

Trotzdem, der Arbeitsschutz muß natürlich eingehalten werden. Aber manchmal reichen sehr einfache Mittel: Bei Einfahrt des Zuges stand ein Mitarbeiter der Baufirma am frisch gebaggerten Loch, um Fahrgäste an der Benutzung des hinteren Ausstiegs zu hindern. So spart man teures Geld für Absperrfirmen und ist außerdem flexibel.

Die Rhätische Bahn hatte auch 2010 wieder etwas zu feiern. Ein Teil des Weltkuturerbes, die Bernina-Linie zwischen St. Moritz und Tirano, wurde 100 Jahre.  Am 5. Juli 1910 wurde der letzte Streckenabschnitt zwischen Ospizio Bernina und Poschiavo eröffnet.

Ilanz - Disentis/Mustér   1. August 1912

Unmittelbar am Bahnhof von Trun steht eine kleine geschichtsträchtige Kapelle. Hier wurde am 16. März 1424 der Graue Bund (oder Oberer Bund) geschlossen. Er entstand als Reaktion auf zahlreiche Fehden und Kleinkriege zwischen den Adelsgeschlechtern. Hauptort des Grauen Bundes war die erste Stadt am Rhein: Ilanz.

Graubünden hat seine Wurzeln in den drei Bünden Gotteshausbund (1367, Chur), Oberer oder grauer Bund (1424, Trun) und Zehngerichtebund (1436, Davos).

100 Jahre Chur - Disentis/Mustér wird am 16./17. Juni 2012 gefeiert. Die Festplätze liegen u. a. in der wildromantischen Rheinschlucht. Auch Extrazüge, so der Alpine Classic Pullman Express und ein historischer "grüner" Zug mit dem rhätischen Krokodil werden unterwegs sein. 

Der am 1. August 1912 eröffnete Abschnitt Illanz-Disentis vervollständigte den Weg durch das Rheintal, komplett wurde er erst 1926 mit der FO-Strecke zum Oberalppaß .

Bever - Scuol/Tarasp   1. Juli 1913

Diese Strecke entlang des Inn war von Beginn an elektrifiziert. Verwendet wurde Wechselstrom 11 kV, 16 2/3 Hz. In den Jahren 1919 bis 1922 erfolgte dann die Elektrifizierung des gesamten Stammnetzes.


Personenwagen AB 121 der Rhätischen Bahn (RhB)im Museum Blonay-Chamby, Baujahr 1903

Das Jubiläumsfest "100 Jahre Bever - Scuol-Tarasp" am 29. und 30. Juni entlang der Strecke durch das Engadin bietet vielfältige Erlebnisse und Aktivitäten. Geplant ist eine große Lokparade in Bever, vielfältige Ausstellungen in den Orten entlang der Strecke und Sonderfahrten mit historischen Zügen. Dazu gehört der Alpine Classic Pullmann Expreß mit dem Rhätischen Krokodil und ein historischer Zug mit Dritte-Klasse-Wagen gezogen von der Ge 4/6 # 353 "Oerlikon".  Elektrolokomotiven dieses Typs zogen bereits vor 100 Jahren die Züge durchs Engadin.

Es gab Pläne für eine Weiterführung dieser Strecke ins österreichische Tirol (Landeck) und für eine Zweiglinie von Zernez bis nach Mals in Südtirol (Ofenbergbahn). Sie wurden damals nicht realisiert, aber heute gibt es wieder derartige Überlegungen...  

Bereits jetzt gibt es auf der Engadiner Linie große Bauvorhaben. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Umbau der Portalzone Ardez des Tasna-Tunnels vor Scuol. Der mit 2351 m drittlängste Tunnel der RhB muß in den nächsten zwei Jahren wegen massiver Schäden durch Geländeverschiebung auf 330 m Länge umgebaut werden.

Chur-Arosa   12. Dezember 1914
Übernahme durch RhB am 1. Januar 1942


Das ist kein Bioreaktor zur Stromerzeugung 
sondern der Pferdemistkübel am Bahnhof in Arosa.

Den Reigen der 100jährigen Jubiläen beendet die Rhätische Bahn mit der Feier "100 Jahre Chur-Arosa" am 13. und 14. Dezember 2014.

 Gleichzeitig wird der völlig umgestaltete Bahnhof Arosa (Umbau Bahnhofsgebäude, Neubau Güterhalle, 235 m lange Perronanlagen, Personenüberführung) eröffnet. Der Umbau geschieht natürlich in Etappen bei Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes, also keine monatelange Sperrung wie hierzulande üblich

Die Chur-Arosa-Bahn ebnet den 25,7 km langen Weg vom Bahnhofsvorplatz Chur (584 m) durch das Schanfigg entlang der Plessur hinauf in den bekannten Wintersportort Arosa (1739 m). Die maximale Steigung beträgt 60 ‰, es gibt 41 Brücken und 21 Tunnel werden passiert.

Die ChA fuhr von Anfang an elektrisch mit 2400 V Gleichstrom. Sie erhielt den Strom natürlich nicht von den Pferdebauern sondern von der Kraftwerkzentrale Luen an der Plessur. Bis 1997 waren acht Gleichstromtriebwagen ABDe 4/4 im Einsatz, fünf von ihnen gehen auf die 1914 beschafften BCFe 4/4 zurück. Unterstützt wurden sie im Winter von Zweisystemtriebwagen (2400V/1000V) der Berninabahn.

Ab dem Depot Sand fährt die Bahn am Plessurquai entlang als Straßenbahn durch die Stadt Chur, die Züge der Rhätischen Bahn müssen sich der Straßenverkehrsordnung unterwerfen. Die Pläne zur Untertunnelung der Stadt sind seit 1996 vom Tisch, zum Glück für die Touristen, sicher zum Leidwesen der Autofahrer in der Churer Innenstadt.

Dann kam der Abschied vom Gleichstrom. Seit 29. November 1997 wird die Strecke mit 11 kV 16,7 Hz betrieben und gehört somit zum Stammnetz der RhB. Zwei Gleichstromtriebwagen kamen zur Museumsbahn St-Georges-de-Commiers - La Mure und zwei (Baujahr 1973) zur Chemins de fer du Jura.

Mit der Umstellung entstand die Marke Arosa-Expreß. Aber selbst dieser blaue Zug bekommt bei Bedarf Güterwagen angehängt, hier in Litzirüti.

"Höhen und Tiefen ebnet die Zeit, aber sie eilet, versteh sie und schaffe." steht am Bahnhof von Langwies (1320 m). 

Viele sehenswerte Bahnhofsgebäude besitzt die Rhätische Bahn. Man kann nur hoffen, daß sie diesen Schatz noch lange bewahren kann.


Pendelzuggarnitur aus Stammnetz-Fahrzeugen im Aroser Bahnhof, Verstärkungswagen für Reisegruppen werden talwärts hinter der Lok angehängt. (2008)


ABDe 4/4 am Plessurquai/Metzgerbrücke (1992)

Der Viadukt von Langwies - mit ihm begann 1914 ein neues Zeitalter im Eisenbahnbrückenbau.

Der Langwieser Viadukt (62 m hoch und 287 m lang) über den wilden Gebirgsfluß Plessur war die erste Eisenbahnbrücke aus Stahlbeton. Die Spannweite des Hauptbogens beträgt 100 m. 

Klosters - Sagliains   19. November 1999

85 Jahre vergingen bevor es zur nächsten Netzerweiterung kam: 21 km der Vereinalinie kamen 1999 dazu. 

Ein System von Tunneln gewährleistet seitdem eine wintersichere und schnelle Verbindung vom Prättigau ins Unterengadin (Engiadina bassa). Die Bauzeit betrug 8,5 Jahre. Im Winter fährt der ENGADIN STAR dank der Verbindungskurve Susch auch ins Oberengadin (Engiadin 'ota) nach St. Moritz. Ganzjährig praktiziert wird die Autoverladung auf der Vereinalinie von Klosters Selfranga (1281 m) nach Sagliains (1432 m). 18 Minuten beträgt die Fahrzeit laut Fahrplan.

Meine Erfahrungen von meinen älteren Seiten mit Lötschberg- und Furka-Basistunnel: Einige Surfer werden auf der Suche nach der Autoverladung an der Vereina möglicherweise auf diese Seite gegoogelt. Um Enttäuschungen zu vermeiden ist deshalb hier der von den Surfern gesuchte Link zur Autoverlad: www.vereina.ch

 

Zugwald-Tunnel 2,16 km
Vereina-Tunnel 19,06 km
Tunnel Susch 0,30 km
Kulminationspunkt 1463 m ü. NN.


Blick aus der Gotschnagratbahn. Massives Brückenbauwerk über die Landquart, die Brücke mündet in zwei Tunnelbauwerke (Zugwaldtunnel und Klosters-Kehrtunnel) und muß starke Geländeverschiebungen ausgleichen. 


Regionalexpreß AQUALINO von Disentis nach Scuol/Tarasp hat den Tunnel passiert und trifft in Sagliains Regionalzug nach Pontresina.

 

 

Tolle Erlebnisse mit der Eisenbahn sind bei der Rhätischen Bahn garantiert. Den MDM (morgendlichen Draisine-Mann) habe ich nicht getroffen, vielleicht ist er nur eine Marketingerfindung.

Die Rhätische Bahn macht wirklich viel Wind. Das spüren die Wanderer auf dem Wiesener Viadukt. Die nicht festgezurrte Kopfbedeckung wird vom Regionalzug Davos Platz - Filisur verweht und ist auf dem 88-Meter-Weg hinunter zum Landwasser. Wer also im Sommer 2008 einen Hut in der Nordsee findet, er stammt bestimmt von diesem Viadukt...

 

Graubünden Genfer See Berner Oberland Wallis Vierwaldstätter See



letzte Änderung:  26.09.08 22.04.17

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