Goldene MOB

 

Wer im Internet nach der MOB Montreux-Berner Oberland-Bahn sucht, landet unweigerlich auf den Seiten des GoldenPass Services. 

Als wir 1996 die Bahnen besuchten gehörten fünf Bahnen zur Groupe MOB:

  • MOB
    Compagnie du chemin de fer Montreux - Oberland bernois
    Schmalspurbahn
  • LAS
    Les Avants - Sonloup
    Standseilbahn
  • VCP
    Vevey - Chardonne - Mont Pèlerin
    Standseilbahn
  • MTGN
    Chemin de fer Montreux - Territet - Glion - Rochers de Naye
    Standseilbahn, Zahnradbahn
  • CEV
    Chemins de fer éléctriques Veveysans
    Adhäsions-/Zahnradbahn

Die letzten vier Bahnen fusionierten per 1. Januar 2001 zur Transports Montreux - Vevey - Riviera (MVR), die auch weiterhin gemeinsam mit der MOB Montreux - Berner Oberland - Bahn zur Groupe MOB gehörte. 

Heute gehören MVR und MOB neben anderen Dienstleistern des touristischen Gewerbes zum GoldenPass Services (GPS).

 

 

MOB Compagnie du chemin de fer Montreux - Oberland bernois

Es begann 1901, am 17. Dezember 1901 wurde der 10,9 km lange Streckenabschnitt der 1000 mm Schmalspurbahn von Montreux  über Chernex und Chamby hinauf nach Les Avants eröffnet. 

Der Name der Bahn, Compagnie du chemin de fer Montreux - Oberland bernois (MOB), verrät es: 
sie verbindet die Kantone Waadt/Vaud und das Berner Oberland.

In mehreren Etappen wurde die 62,4 km lange Strecke errichtet und am 6. Juli 1905 Zweisimmen erreicht, der Anschluß an die Bahnen des Berner Oberland war damit hergestellt. 

 mehr über das Berner Oberland

Mit der 1912 eröffneten Zweigstrecke nach Lenk ist die Strecke der MOB insgesamt 75,3 km lang. Die maximale Neigung beträgt 7,3% und der minimale Kurvenradius 47 m. Von Anfang an wurde die Strecke elektrisch mit Gleichstrom 900 V betrieben.

Wer mehr Daten der MOB sucht: "Rail-Info Schweiz" hat sie!

Unterwegs mit der MOB

In Les Avants, der Endstation des ersten Bauabschnittes und gleichzeitig der letzte größere Bahnhof vor dem Tunnel unter dem Col de Jaman beginnen auch unsere Ausflüge mit der MOB.

Sie bringt uns in langgezogenen Serpentinen mit herrlichen Aussichten hinunter an den Genfer See (Bahnhofshöhe Montreux 395 m)...

Die verkehrsreiche Strecke oberhalb von Montreux besitzt viele Kreuzungsstellen. Das braucht sie auch, denn der Bahnhof Montreux wurde gerade komplett umgestaltet und der Fahrplan funktionierte nach der Devise: erst ein Zug raus, dann wieder einer rein. (Foto 1996)

...aber auch durch den Tunnel in 1112 m Höhe ins obere Greyezerland und weiter durch das Pays d'Enhaut und das Saanenland bis ins Obere Simmental. Der von der Bahn überwundene Gebirgszug gehört zur Hauptwasserscheide zwischen Rhône und Rhein.

Gstaad hat nur einen kleinen Bahnhof (im Foto im Hintergrund), mehr braucht man für die exklusive Gästeschar sicher nicht. Bei der Weiterfahrt bietet sich dem Fahrgast der MOB ein kurzer, zum Glück kostenloser Blick in den fast leeren Center Court. Es war nur ein Vorrundenspiel der Swiss Open, außerdem hat R. Federer ausgelassen! (Foto 2005)

In großem Bogen wird Gstaad umfahren und der neuerliche Aufstieg beginnt. Bei Saanenmöser erreicht die Strecke ihren Scheitelpunkt  (1274 m) und der Abstieg nach Zweisimmen (941 m) beginnt. Der Doppeltriebwagen ABDe 8/8 vor dem Regionalzug bei Saanenmöser. (Foto 2005)

Eine Ge 4/4 (Baujahr 1994, 2400 kW, Vmax 100 km/h) im Bahnhof Zweisimmen neben einer GDe 4/4 (Baujahr 1983, 1053 kW, Vmax 90 km/h). Im Hintergrund stehen Wagen der normalspurigen BLS im alten Farbschema. (Foto 1996)

Die leicht modifizierte Lok GDe 4/4 6003 stellte am 3. November 1983 mit 110 km/h  den Geschwindigkeitsrekord für Schmalspurlokomotiven in der Schweiz auf.

Immer wieder treffen wir "Ihn", den "Crystal-Panoramic-Express" in den Farben blau/elfenbein mit den goldenen Buchstaben MOB. Er ist unterwegs mit einer GDe 4/4.

Seit 1976 verkehren Panorama-Expreß-Züge mit den legendären von den MOB-Eisenbahnern gebauten Aussichtswagen. 1985 folgte der "Super-Panoramic-Express" und 1993 der "Crystal-Panoramic-Express". 


Heute verkehrt er als GoldenPass Panoramic und sein Aussehen entspricht dem der anderen beiden Partner auf der GoldenPassLine Montreux - Zweisimmen - Interlaken-Ost - Luzern. Als Triebfahrzeug kommt eine Ge 4/4 zum Einsatz.

1931 verkehrte zwischen Montreux und Zweisimmen kurzzeitig der "Golden Mountain-Pullmann Express" mit den bekannten vier Pullmann-Wagen auf der MOB. 

Auf dem Foto (Zweisimmen, Sommer 2005) ist ein derartiger Wagen in einem Regelzug hinter dem Doppeltriebwagen ABDe 8/8 Nr. 4001, Baujahr 1968, eingestellt. 

Die Zweiglinie nach Lenk

Die 12,9 km lange Linie von Zweisimmen nach Lenk durch das obere Simmental wurde am 8. Juni 1912 eröffnet. Sie folgt bei nur geringen Steigungen im wesentlichen dem Flußlauf. Am 14. Juni 1975 vorübergehend stillgelegt präsentiert sie sich nach grundlegender Erneuerung/Instandsetzung seit 30. September 1979 als moderne und leistungsfähige Eisenbahnlinie.

Die Beförderungsleistungen erbringen 80 km/h schnelle Pendelzüge bestehend aus BDe 4/4 (Baujahr 1976 und  1979, 448 kW) mit Steuerwagen ABt und gegebenenfalls einem weiteren zwischengekuppelten modernen Personenwagen mit Steuerleitungen.

Typische Zugzusammenstellung im Bahnhof Lenk (2005), bald ist sie nur noch Geschichte.

Im Sommer 2005 war auf der Talstrecke Zweisimmen-Lenk ein neues Fahrzeug unterwegs:

Es handelt sich um einen dreiteiligen Pendelzug im Design des GoldenPass Services. Die tolle Farbgestaltung begeistert sogar einen eher auf historischen Farben stehenden Betrachter wie mich. Die Seiten des Zuges tragen die Schriftzüge "Simmental" und "Saanenland". Damit ist auch schon das Einsatzgebiet des Zuges benannt.

Am 29. Mai 2004 wurde der erste einer geplanten Serie von neuen Pendelzügen eingeweiht. Der Mittelwagen ist der ehemalige Be 4/4 Nr. 5003, Baujahr 1979. Seine Führerstände wurden entfernt, gekoppelt ist der total umgebaute 5003 mit den von R&J gelieferten Niederflursteuerwagen ABt 343 und Bt 243.

Am 8. Juni 1912 wurde die meterspurige Linie Zweisimmen - Lenk eröffnet. 1975 sollte diese Strecke in eine normalspurige Verlängerung der Eisenbahnlinie Spiez - Erlenbach - Zweisimmen umgebaut werden. 

Es stellte sich allerdings als kostengünstiger heraus, diese Zweiglinie der MOB als Meterspurlinie zu restaurieren und so feiert man vom 8. bis 10. Juni 2012 "100 Jahre MOB in Lenk im Simmental".

 

 

 

Die vier Gipfelstürmer von Montreux - Vevey

Im Norden und Osten sind die Städte Montreux und Vevey von vier Gipfeln umgeben, die man auf dem Schienenweg erreichen kann. Auf zwei Gipfel führen Standseilbahnen, die anderen beiden werden durch Zahnradbahnen erschlossen.

  • Der 1200 m hohe Sonloup wird von der Chemin de fer Les Avants - Sonloup (LAS) erschlossen, 180 Höhenmeter zwischen dem MOB-Bahnhof und dem Gipfel überwindet die Bahn seit ihrer Inbetriebnahme 1910. Im Winter ist die schmale Straße vom Gipfel zur Talstation der Standseilbahn in Les Avants eine Rodelbahn. Dadurch ist die Rolle der Standseilbahn im Winter klar definiert: sie ersetzt den Skilift - pardon, den Rodellift. 

  • Von Vevey quer durch die Weinberge hinauf auf den Mont Pélerin (900m) bringt uns die 1900 eröffnete Standseilbahn Chemin de fer funiculaire Vevey - Chardonne - Mont-Pèlerin (VCP). Bei einer Streckenlänge von 1580 m überwindet sie einen Höhenunterschied von 415 m. Diese Standseilbahn hat drei Zwischenhaltestellen. 

Die anderen zwei Gipfel werden von Zügen mittels Zahnstange bezwungen.

 

 

Die Zahnradbahn zum Rochers de Naye

Bevor die Zahnradbahn dran ist, noch ein paar Informationen über eine weitere Standseilbahn:

Von Territet am Genfersee hinauf nach Glion wurde 1883 die Chemin de fer funiculaire Territet - Glion (TG) eröffnet. Sie war bis 1975 eine Bahn mit Wasserballastantrieb und bei ihrer Inbetriebnahme mit einer Steigung von 57 % die steilste Standseilbahn. Bei 640 m Streckenlänge überwindet sie 300 Höhenmeter. 

Diese Standseilbahn ist ein erster Schritt auf dem Weg auf den Gipfel des Rochers de Naye.


Gipfelstation unterhalb des Rochers de Naye
Von der Wagenhalle führt ein Tunnel durch den Berg
 zum Restaurant "Plein Roc" in der Felswand 
mit bester Aussicht auf den Genfer See

Am 27. Juli 1892 wurde die Chemin de fer Glion - Rochers de Naye (GN), eine Zahnradbahn nach System Abt mit 800 mm Spurweite in Betrieb genommen. 

Die Strecke ist 7,7 km lang, hat eine maximale Steigung von 22 % und führt von Glion (689 m) über Caux bis zur Gipfelstation (1970 m) am Rochers de Naye (2045 m). 

Der Gipfel bietet eine der schönsten Rundsichten auf Genfer See, die Schweizer und Französischen Alpen und das Mittelland.

Wer bequem hinauf nach Glion und weiter auf den Rochers de Naye reisen wollte, hatte aber anfangs keine Alternative zu der oben erwähnten Standseilbahn Territet-Glion. 

Erst 1909 wurde die elektrisch betriebene Zahnradbahn Chemin de fer Montreux - Glion (MGl) von Montreux nach Glion (2,9 km) fertiggestellt. Der Bahnhof Montreux ist seitdem ein Bahnhof mit drei Spurweiten auf engstem Raum.


Bahnhofsumbau bei laufendem Eisenbahnbetrieb, 
eine Herausforderung für Bahner und Touristen (1996). 
Doppeltriebwagen Bhe 4/8 Nr. 301 (Baujahr 1983)
Triebwagen Bhe 2/4 aus dem Jahr 1938
vor der "Säulenhalle" steht ein MOB-Zug. 


In Caux am Wasserbehälter steht der Sonderzug mit der Dampflok H 2/3 Baujahr 1992,
 daneben einer der drei Bhe 4/8 aus dem Jahr 1983

Die Vorstellwagen konnten jetzt von Montreux bis zum Rochers de Naye verkehren, allerdings mußten die HGe 2/2 der MGI in Glion an Dampflokomotiven der GN übergeben. Erst mit der Elektrifizierung der GN 1938 (Gleichstrom 850 V) gab es "echte" durchgehende Züge. 

Es dauerte aber bis 1987, daß die beiden Gesellschaften zur Chemin de fer de Montreux - Glion - Rochers de Naye (MGN) fusionierten. 

Und noch einmal fünf Jahre später (1992) wurden die historisch eng verbundenen Bahnen MGN und TG zur Chemin de fer Montreux - Territet - Glion - Rochers de Naye (MTGN) zusammengeschlossen und bezeichnen sich heute als Chemins de fer des Rochers de Naye.

Die GN beschaffte für den Verkehr zwischen Glion und dem Rochers de Naye zwischen 1891 und 1909 acht Dampflokomotiven. 

Lok Nr. 4, eine kohlebefeuerte Dampflokomotive H 2/3 mit 230 PS aus dem ersten Lieferlos von SLM ist heute noch betriebsfähig. Über den Umweg Monte-Generosa-Bahn (1941) kam sie 1962 zur Brienz Rothorn Bahn, wo sie als Lok 1II im Einsatz ist.

1992 lebte das Dampfzeitalter am Rochers de Naye neu auf. Die Dampflokomotive MGN 1 wurde gemeinsam mit je einer Lokomotive für die Brienz Rothorn Bahn (Lok 12) und die Schafbergbahn am Wolfgangsee (999.201) von SLM gebaut.

 Dampflokomotive MGN 1
"ROCHERS DE NAYE"
H 2/3
300 kW
Leichtölfeuerung
Baujahr 1992
Hersteller SLM

Sie wurde mit Belle-Epoque-Vorstellwagen zwischen Glion bzw. Caux und Rochers de Naye für Sonderfahrten eingesetzt.

Der Erfolg war sicher nicht so berauschend, der Rochers de Naye ist ja nicht das Dampfeldorado der Schweiz. Deshalb hat die Lok MGN 1 seit 2005 ein neues Zuhause: sie fährt als Lok 16 auf der Brienz Rothorn Bahn.

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Von Vevey hinauf nach Les Pléiades

Von Vevey über St. Légier und Blonay nach Chamby an der MOB-Linie Montreux - Zweisimmen existiert seit 1902 eine meterspurige elektrische Schmalspurbahn, die Chemin de fer éléctriques Veveysans (CEV)

Von St. Légier nach Châtel St. Denis führte außerdem zwischen 1904 und 1969 eine Zweigstrecke und ermöglichte den Anschluß an das Schmalspurnetz des Greyezer Landes rund um die Stadt Bulle.

1911 wurde von Blonay hinauf nach Les Pléiades eine Zahnradbahn eröffnet und damit ein wunderschöner Aussichtsberg und Wanderparadies erschlossen.

Heute verkehren auf der Strecke Vevey - Blonay - Les Pléiades durchgehende Züge im kombinierten  Adhäsions-/Zahnrad-Betrieb.

Die Museumseisenbahn Blonay-Chamby

Die CEV legte 1966 die 3 km lange Verbindungsstrecke von Blonay - Chamby still. 

Diese Strecke wurde jedoch nicht abgebrochen, sondern wird seit 1968 von derChemin de Fer-Musée Blonay-Chamby (BC) zur Durchführung historischer Eisenbahnverkehre genutzt. 

Das Museum mit einer interessanten Fahrzeugsammlung befindet sich in Chaulin.

 



letzte Änderung:  15.02.0608.11.13

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